Christoph Bürgel / Paul Gévaudan / Dirk Siepmann (Hrsg.)
Sprachwissenschaft und Fremdsprachendidaktik: Konstruktionen und Konstruktionslernen


Band 119, 2021, 287 Seiten, kart
EUR 44,80
ISBN 978-3-95809-161-0
Reihe: Stauffenburg Linguistik


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Der vorliegende Band führt die im Jahr 2011 gegründete Symposiumsreihe Sprachwissenschaft und Fremdsprachendidaktik fort und fokussiert die beim Symposium 2018 behandelte Verbindung von Konstruktionen und Konstruktionslernen. Im Zentrum stehen dabei Modellierung, Typen und Vorkommensweisen von Konstruktionen sowie didaktische Fragestellungen zum Lehren und Lernen von Konstruktionen im Fremdsprachenunterricht Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch. Die Beiträge machen deutlich, dass es an der Zeit ist, die einschlägigen Erkenntnisse der verschiedenen Strömungen der Sprachwissenschaft zur Konstrukthaftigkeit von Sprache konsequenter aufzugreifen als bisher und für das Fremdsprachenlehren und -lernen nutzbar zu machen. Der Band ist damit auch ein Plädoyer für ein neues Paradigma in der Fremdsprachendidaktik.

Ein Inhaltsverzeichnis zum Band finden Sie hier.



Eine Konstruktion im Sinne der Konstruktionsgrammatik ist ein sprachlicher Ausdruck, der konkret oder abstrakt sein sowie aus einem oder mehreren Wörtern bestehen kann und eine eigene Bedeutung hat. Als Konstruktionen angesehen werden Einzelwörter (z.B. dt. groß) ebenso wie Wortarten (z.B. Adjektiv) und grammatische Kategorien (z.B. Tempus), syntaktische Schemata (z.B. die Abfolge Verb ? Artikel ? Substantiv) ebenso wie konkrete (engl. to kick the bucket) oder teilschematische Wortverbindungen (frz. venir de + Vinf). Damit relativiert der Konstruktionsbegriff traditionelle Grenzen der Grammatik und ermöglicht die Ausarbeitung einer angemessenen Methodik zur Erfassung idiomatischer Sprechregeln, die bislang nicht systematisch erfasst und klassifiziert werden konnten. Die Aufhebung der strikten Trennung zwischen dem System und den idiomatischen Sprechregeln (vgl. die Unterscheidung zwischen „System“ und „Norm“ durch Coseriu 1952) hat auch Konsequenzen für die Fremdsprachendidaktik, der bislang keine theoretischen Grundlagen für die Vermittlung der einzelsprachlichen Idiomatik zur Verfügung stand. Dabei ist es in der Fremdsprachendidaktik schon seit geraumer Zeit bekannt, dass es nicht genügt, nur den Wortschatz und die Regeln der Satzbildung zu kennen, um zu wissen, dass man im Deutschen mir ist kalt, im Englischen I am cold [wörtl.: ich bin kalt] und im Französischen j’ai froid [wörtl.: ich habe kalt] sagen muss. Gab es bisher nur lose Verbindungen zwischen dem Wortschatzlernen und der Aneignung der Regeln zur Satzbildung, könnte nun das Prinzip des Konstruktionslernens, dem auch das Erlernen syntaktischer, morphologischer und lexikalischer Einheiten untergeordnet werden kann, im Zentrum der Fremdsprachenlehrens und -lernens stehen. In diesem Sinne beschäftigt sich der Band Konstruktionen und Konstruktionslernen mit linguistischen Anwendungen der Konstruktionsgrammatik und ihre Übertragung auf spezifische Probleme der Fremdsprachendidaktik des Englischen, Französischen und Spanischen. Die Beiträge in diesem Band beruhen auf einer gemeinsamen Erkenntnis: Ebenso wie der Begriff der ‚Konstruktion‘ für die Linguistik stellt das Prinzip des ‚Konstruktionslernens‘ für die Fremdsprachendidaktik ein völlig neues Paradigma dar.


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Letzte Änderung: 26.11.2016 10:12:00

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