Björn Rothstein
Sprachintegrativer Grammatikunterricht
Zum Zusammenspiel von Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik im Mutter- und Fremdsprachenunterricht

Band 51, 2010, 238 Seiten
EUR 39,80
ISBN 978-3-86057-189-7
Reihe: Stauffenburg Linguistik


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Haben sich Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik etwas zu sagen oder ist ihr einziger tatsächlich existierender Berührungspunkt die Lehramtsausbildung? Die vorliegende Studie untersucht am Beispiel des deutschen Konjunktivs und seiner französischen Entsprechungen exemplarisch ihre Schnittstelle und mögliche Berührungspunkte. Gezeigt wird auf empirischer Grundlage, wie eine detaillierte sprachwissenschaftliche Analyse neue Impulse für die Sprachdidaktik liefern kann und wie umgekehrt die Sprachwissenschaft von sprachdidaktischen Fragestellungen profitieren kann. Muttersprachlicher Grammatikunterricht ist bekanntlicherweise nicht sonderlich populär. Ausgehend von einer Befragung von mehr als 400 Gymnasiasten aus Baden-Württemberg wird aufgezeigt, dass Schüler ein großes Interesse an den schulischen Fremdsprachen haben. Demnach ist es aus motivationalen Gründen sinnvoll, bei gewissen, besonders einleuchtenden, grammatikalischen Themen im Deutschunterricht Verbindungen zu den schulischen Fremdsprachen herzustellen und in Form eines sprachintegrativen Grammatikunterrichts vorzugehen. Ein solcher Vergleich ermöglicht nicht nur Einsichten in den Bau der Sprache, wie sie von der Debatte um den muttersprachlichen Grammatikunterricht abwechselnd befürwortet und bezweifelt werden, er führt auch zu einem erhöhten anwendungsbezogenen Umgang mit dem eigentlichen Lerngegenstand. In einer weiteren Schülerbefragung wird zudem gezeigt, dass Gymnasiasten kaum in der Lage sind, den Konjunktiv II der starken Verben jenseits der hochfrequenten Formen zu bilden. Argumentiert man dafür, dass die situationsadäquate Beherrschung der Konjunktivmorphologie eines der Lernziele des gymnasialen Deutschunterrichts ist, so rückt der muttersprachliche Grammatikunterricht unweigerlich in die Nähe der fremdsprachdidaktischen Methodik und findet, entgegen der allgemeinen Behauptung, er könne nichts zum natürlichen Erwerb von Deutsch als Erstsprache beitragen, eine weitere Legitimation.


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Letzte Änderung: 26.11.2016 10:12:00

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