Zeichenphilosophie
Herausgegeben von Dieter Münch

ZfS, Band 22 Heft 3-4 / 2000
EUR 35,-
ISBN 3-86057-946-0


Dieses Heft bestellen


Aus dem Inhalt

Aus dem Inhalt:

  • Dieter Münch: Zeichenphilosophie und ihre aristotelischen Wurzeln (Zusammenfassung)

  • Frederik Stjernfelt: Die Vermittlung von Anschauung und Denken: Semiotik bei Kant, Cassirer und Peirce (Zusammenfassung)

  • Alexander Dmitrievic Dulicenko: Über die Prinzipien einer philosophischen Universalsprache von Jakob Linzbach (Zusammenfassung)

Diskussion

  • Dieter Münch: Fragen zur Rolle der Zeichenphilosophie in der Semiotik

Einlage

  • Martin Reiter: Die taktischen Zeichen von Feuerwehr und Katastrophenschutz in Deutschland

Erhebung

  • Anne Sauer: Semiotisch relevante Lehre an den Hochschulen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz

Veranstaltungen, Veranstaltungskalender, Förderpreis der DGS, Nachrichten aus der SGS/ASS, Vorschau



Dieter Münch, Zeichenphilosophie und ihre aristotelischen Wurzeln
Da sich die Gegenstände der Semiotik, die Zeichen und Zeichenprozesse, überall finden und in ganz unterschiedlicher Weise behandelt werden können, hat sich die Semiotik in ungesunder Weise aufgebläht und dadurch ihre Konturen verloren. In diesem Beitrag wird der Versuch unternommen, die ursprüngliche Intention der Semiotik durch Reflexion auf ihre Geschichte zu bestimmen. Es wird gezeigt, dass sowohl die amerikanischen als auch die europäischen Richtungen der Semiotik in der aristotelischen Tradition stehen und ihre Fragestellungen und Probleme aus dem Kategorienproblem hervorgegangen sind. Wenn die Semiotik aus ihrer Krisis herauskommen will, wird sie gut daran tun, diese Intention wieder aufzugreifen.


Frederik Stjernfelt, Die Vermittlung von Anschauung und Denken. Semiotik bei Kant, Cassirer und Peirce
Der Beitrag stellt die Verwendung der Termini „Symbol“ und „Schema“ in Kants Werk dar und bespricht ihre Weiterentwicklung bei Ernst Cassirer und Charles S. Peirce. Bei Kant vereinigt das Schema Begriff und Anschauung und wird so eine Bedingung der Möglichkeit objektiver Wissenschaft, während das Symbol ein indirektes Schema ist – in die Sprache der Gegenwart übersetzt: eine Metapher. Bei Cassirer wird das Symbol zu einem allgemeinen Begriff, der alle Äußerungen des menschlichen Geistes umfasst, während das Schema nun eine zentrale Rolle als treibende Kraft in Cassirers dreistufiger Deutung der menschlichen Zivilisation erhält, die von Ausdrücken über Darstellungen zu reinen Bedeutungen führt. Eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielt die so genannte „symbolische Prägnanz“, die es dem Schematismus ermöglicht, im Fluss der Ausdrücke stabile Zeichen zu erzeugen; symbolische Prägnanz ist sozusagen ein spontan auftretender Schematismus. Bei Peirce hat das Diagramm eine vergleichbare schematische Funktion. Es verbindet die auf Ähnlichkeit basierende Kategorie des Ikons mit der des Symbols, das in Peirces Konzeption ein allgemeines, gedankenähnliches Zeichen ist. Die Diagramme werden zu den eigentlichen Bedingungen der Möglichkeit von Gedanken, die immer allgemein sind, doch auch fähig, einen kontinuierlichen Bereich von individuellen ikonischen Fällen unter sich zu fassen. Es wird gezeigt, dass beide Nachfolger von Kant verschiedene interessante erkenntnistheoretische Standpunkte gemeinsam haben. Einerseits 'phänomenologisieren' sie Kant gewissermaßen: der Gegenstand wird nicht mehr als das Ergebnis einer Synthese des Geistes betrachtet, sondern als ein undifferenziertes Ganzes, das wiederum in verschiedener Weise unter Verwendung von Schematismen analysiert werden kann. Andererseits zielen sie auf eine Semiotik, die eine Erkenntnistheorie impliziert: gerade Kants Begriff des Schematismus führt zu einer Analyse der inneren Architektur des durch ein Zeichen Bezeichneten; es enthält notwendig einen Schematismus, der Denken und Anschauen verbindet. In dieser Hinsicht gehen beide über Saussures Zeichenbegriff hinaus, in dem die Bestimmung des Bezeichneten immer dunkel war, was zu einem semiotischen Skeptizismus als weit verbreiteter Folge geführt hat. 


Alexander Dmitrievic Dulicenko, Über die Prinzipien einer philosophischen Universalsprache von Jakob Linzbach
Der estnische Semiotiker Jakob Linzbach (1874 - 1953) verfolgte in zahlreichen Arbeiten das Projekt einer philosophischen Sprache, die an Leibnizens Projekt einer characteristica universalis anknüpft. Zum Aufbau eines effizienten Sprachsystems schlägt er verschiedene Prinzipien vor, die hier vorgestellt werden. Obwohl Linzbachs Hauptwerk im gleichen Jahr wie Saussures Cours (1916) erschien, gibt es zahlreiche Übereinstimmungen; grundlegende Ideen der Phonologie werden von Linzbach antizipiert. Der Beitrag versucht die Relevanz dieses kaum bekannten Semiotikers, der in seinen späteren Jahren nichts mehr publizieren durfte, insbesondere für informationstheoretische Ansätze herauszustellen.


Zum Seitenanfang

Bei Fragen oder Kommentaren zu diesen Seiten schicken Sie bitte eine E-Mail an:
info@stauffenburg.de
Copyright © 1996-2014 Stauffenburg Verlag
Letzte Änderung: 26.11.2016 10:12:00

AGB  –  Widerrufsbelehrung  –  DatenschutzerklärungImpressum