Ingrid Galster (éd.)
Cinquante ans après "Le Deuxième Sexe": Beauvoir en débats


"Ce numéro de lendemains vaut le détour."
lendemains, Jahrgang 1999/2
Heft 94
EUR 14,30
ISBN 3-86057-964-9


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Cinquante ans après la publication du Deuxième Sexe, Simone de Beauvoir fait l’objet de controverses entre hagiographie et matricide. Alors que les un-e-s l’exaltent comme fondatrice méconnue de l’existentialisme, les autres la méprisent comme adepte du phallogocentrisme. Ce dossier se réfère à ce débat. Sans nier son actualité – présente, entre autres, dans la discussion sur la parité – il invite avant tout à replacer l’œuvre de Beauvoir dans l’histoire.

Pressestimmen:

"Ce numéro de lendemains vaut le détour."
Michel Winock, France Culture

"[...] Es gleicht einem Wunder, dass es der Herausgeberin des vorliegenden Bandes gelungen ist, die kanonisierten Thesen Beauvoirs zu verlebendigen."
Judith Klein, Neue Zürcher Zeitung, 23.11.2000.

"The very handsome Volume 94 of Lendemains edited by Society member Ingrid Galster highlights "Cinquante ans après Le Deuxième Sexe: Beauvoir en débats." [...] Following Dr. Galster's very comprehensive coverage of publications and points of contention in Beauvoir research, the Lendemains dossier contains a number of interviews: [...]. The final section of this special issue of Lendemains is rich in reviews of books by our Society members."
Simone de Beauvoir Society Newsletter, October 2000.

"Die letzten zwei Jahre waren von einer späten Würdigung der Philosophin Simone de Beauvoir gezeichnet. [...] Besonders hervorzuheben ist: Lendemains – Cinquante ans après le Deuxième Sexe [...]. Das Schwerpunktthema der zum Teil in zwei Sprachen erscheinenden Zeitschrift für vergleichende Frankreichforschung bringt interessante Beiträge der Organisatorin der Eichstätter Konferenz Ingrid Galster, u.a. einen Überblick über die Beauvoir-Forschung und die Rezeption von "Das Andere Geschlecht" 1949, einen Beitrag von Rita Süssmuth über die Bedeutung Simone de Beauvoirs für Frauenpolitik sowie eine kritische Rezension und fundierte Widerlegung der Thesen von Edward und Kate Fullbrook, wonach nicht Beauvoir Schülerin von Sartre sei, sondern Sartre der Schüler von Beauvoir."
HexenFunk, 1/2001


Inhalt/Contenu:

Ingrid Galster: Introduction
Maurice de Gandillac: « Ils auraient pu les mettre ex aequo ». Entretien sur l’agrégation de Simone de Beauvoir et d’autres sujets (Resümee)
Jacqueline Gheerbrant: « Nous sentions un petit parfum de soufre ». Entretien avec J.G., ancienne élève de Simone de Beauvoir au lycée Molière (Resümee)
Geneviève Sevel: « Je considère comme une grande chance d’avoir pu recevoir son enseignement ». Témoignage de G.S., ancienne élève de Simone de Beauvoir au lycée Camille Sée (Resümee)
Ingrid Galster: « Les limites de l’abject ». La réception du Deuxième Sexe en 1949 (Resümee)
Robert Misrahi: « En voulant exalter son rôle, ils la diminuent ». Entretien sur la place de Simone de Beauvoir philosophe et d’autres sujets (Resümee)
Doris Ruhe: Simone de Beauvoir und ihre Töchter (Résumé)
Michelle Perrot: Cinquante ans après Le Deuxième Sexe, où en est le féminisme en France? (Resümee)
Entretien
Irene Selle: La réception du Deuxième Sexe en RDA (Resümee)
Rita Süssmuth: L’importance de Simone de Beauvoir pour la politique des femmes (Resümee)
Comptes rendus
Hazel Barnes: Margaret A. Simons: Beauvoir and « The Second Sex ». Feminism, Race, and the Origins of Existentialism, New York, Rowman & Littlefield, 1999.
Céline Léon: Edward and Kate Fullbrook: Simone de Beauvoir. A Critical Introduction, Oxford-Malden, USA, Polity Press, 1998.
Annette Lavers: Elizabeth Fallaize (ed.): Simone de Beauvoir. A Critical Reader, London and New York, Routledge, 1998.
Liliane Kandel: Catherine Rodgers: « Le Deuxième Sexe » de Simone de Beauvoir. Un héritage admiré et contesté, Paris, L’Harmattan, 1998.
Elizabeth Fallaize: Eva Lundgren-Gothlin: Sex and Existence. Simone de Beauvoir’s « The Second Sex », The Athlone Press 1996.
Ingrid Galster: Toril Moi: Simone de Beauvoir. Conflits d’une intellectuelle, Paris, Diderot Editeur, 1995.
Ingrid Galster: Eliane Lecarme-Tabone commente Mémoires d’une jeune fille rangée de Simone de Beauvoir, Paris, Gallimard/foliothèque, 2000.


RESÜMEE: MAURICE DE GANDILLAC/INGRID GALSTER, «SIE HÄTTEN SIE EX AEQUO AUF PLATZ 1 SETZEN KÖNNEN» sprechen über das Staatsexamen Beauvoirs und andere Themen. Maurice de Gandillac hat gleichzeitig mit Beauvoir und Sartre das Staatsexamen in Philosophie vorbereitet und wie sie 1929 bestanden. Später erfuhr er von Mitgliedern der Prüfungskommission, daß diese lange zögerte, bevor sie Sartre in der Rangliste auf Platz 1 und Beauvoir auf Platz 2 setzte: es hätte auch umgekehrt sein können. Diese Information, die zuerst durch die Sartre-Biographie Annie Cohen-Solals 1985 bekanntwurde, hat eine intensive Debatte bei feministischen Beauvoir-Forscherinnen und -Forschern ausgelöst: Wenn Beauvoir, die zweieinhalb Jahre jünger war als Sartre, nicht, wie er, an der Elitehochschule Ecole Normale Supérieure auf die Prüfung vorbereitet worden war, sondern «nur» an der Sorbonne, und noch ein Jahr übersprang, ihm fast den Rang streitig machte, war sie ihm dann in Wirklichkeit nicht überlegen und mußte lediglich zurückstecken, weil sie eine Frau war? Das Interview nimmt auf diese Debatte Bezug.


RESÜMEE: JACQUELINE GHEERBRANT, ENTRETIEN / GENEVIÈVE SEVEL, TÉMOIGNAGE, dokumentiert die Erinnerungen zweier ehemaliger Schülerinnen Beauvoirs am Lycée Molière und am Lycée Camille Sée. Die Tätigkeit Beauvoirs als Gymnasiallehrerin (1931-1943) ist in Veröffentlichungen aus den neunziger Jahren äußerst negativ beurteilt worden. In seinem Pamphlet über Beauvoirs und Sartres Aktivitäten während der deutschen Besatzung identifiziert sich Gilbert Joseph unbeabsichtigt mit der ideologischen Perspektive der Vichy-Regierung, die Beauvoir 1943 auf Antrag des Pariser Rektorats aus dem Schuldienst entließ, weil sie nicht geeignet erschien, zur Restaurierung der antirepublikanischen Werte beizutragen, die das Ziel dieser Regierung war. Auch Deirdre Bair, deren Beauvoir-Biographie zur Zeit tonangebend ist, kommt zu einer wenig zutreffenden Einschätzung. Durch die Erinnerung zweier ehemaliger Schülerinnen wird dieses fragwürdige Bild korrigiert. Es zeigt sich insbesondere, daß Beauvoir eine der ersten war, die die Phänomenologie in den französischen Philosophieunterricht einführte.


RESÜMEE: INGRID GALSTER: «DIE GRENZEN DES WIDERLICHEN». DIE REZEPTION DES DEUXIÈME SEXE IM JAHRE 1949, zeigt, daß die schnelle Berühmtheit von Beauvoirs Fundament des egalitären Feminismus nicht zuletzt mit dem Skandal zusammenhängt, den einige in den Temps modernes vorveröffentlichte Kapitel des 2. Bandes im Sommer 1949 hervorriefen. Daß Texte über die «Sexuelle Initiation der Frau» und die «Lesbierin» in einer Kulturzeitschrift erschienen, bewertete François Mauriac als weiteres Symptom eines allgemeinen Sittenverfalls in der Literatur, für den auch und vor allem Autoren wie Sartre und Genet standen und von dem er die Nation bedroht sah. Der vorliegende Artikel versucht eine zwar nicht vollständige, aber doch umfassendere Analyse der Rezeption des Deuxième Sexe zum Zeitpunkt des Ersterscheinens, als sie bis jetzt vorliegt. Da die Beauvoirforschung weitgehend außerhalb Frankreichs stattfindet, ist die nötige Quellenarbeit erst mit großer Verspätung geleistet worden. Die systematische Aufarbeitung und Analyse dieser Rezeption sollte nicht nur Einsichten über die Rolle der Frau erlauben, wie sie 1949 in den unterschiedlichen ideologischen Gruppierungen und von Rezipienten beiderlei Geschlechts gesehen wurde; sie könnte darüber hinaus – eventuell im Vergleich mit der Rezeption von Publikationen wie der französischen Ausgabe des Kinsey-Reports (1948) – Aufschlüsse darüber liefern, wie Sexualität schlechthin im französischen après-guerre besprochen (oder beschwiegen) wurde und damit zu einer breiter angelegten Geschichte der (Geschlechter-) Mentalitäten beitragen.


RESÜMEE: INTERVIEW MIT DEM PHILOSOPHEN ROBERT MISRAHI ÜBER BEAUVOIRS BEDEUTUNG ALS PHILOSOPHIN UND ANDERE THEMEN. Seit Einführung der feministischen Perspektive in die Beauvoirforschung wurde mit Recht Beauvoirs eigenständige Leistung als Philosophin betont, die lange hinter Sartres Werk verschwand. Eine Gruppe von Beauvoir-Forscherinnen und -Forschern versucht seit einiger Zeit darüber hinaus zu zeigen, daß die originäre Kraft hinter zentralen Konzepten der Sartre zugeschriebenen Philosophie in Wirklichkeit Beauvoir gewesen sei. Robert Misrahi, der beide Philosophen und ihr Denken seit 1943 kennt und auf dessen Anregung Beauvoirs philosophische Schrift Für eine Moral der Doppelsinnigkeit (1946) zurückgeht, äußert sich zu dem Plagiatsvorwurf, der Sartre posthum gemacht wurde, ebenso wie zu differenztheoretischen Ansätzen, die Beauvoirs Feminismus dem Phallogozentrismus zuschlagen.


RESUME: DORIS RUHE; SIMONE DE BEAUVOIR ET SES FILLES, essaie de démontrer que les prémisses établies par Simone de Beauvoir et résumées par sa phrase-clef «On ne naît pas femme: on le devient» – le féminin non comme essence, mais en tant que produit de la civilisation – forment toujours la base de tout débat féministe. En se détournant de l’égalitarisme proclamé par Simone de Beauvoir, les œuvres des féministes de la génération qui lui a succédé – en particulier Luce Irigaray et Hélène Cixous, dans une moindre mesure Julia Kristeva – font penser au dynamisme d’un conflit entre mère et fille qui, le temps aidant, est en train de perdre de son acuité. Les recherches actuelles aux U.S.A., surtout celles liées au nom de Judith Butler – figure de proue du courant majoritaire – ont tendance plus que jamais à remettre à l’ordre du jour la question de la construction sociale des genres, voire même des sexes.


RESÜMEE: MICHELLE PERROT/INGRID GALSTER, FÜNFZIG JAHRE NACH BEAUVOIRS ANDEREM GESCHLECHT: WO STEHT DER FRANZÖSISCHE FEMINISMUS HEUTE? In diesem Anfang 1999 schriftlich geführten Interview äußert sich die Historikerin zum aktuellen Stand des französischen Feminismus. Obwohl er strukturell nur schwach verankert ist, übt er einen relativ großen Einfluß aus. Insbesondere haben die Feministinnen erreicht, daß die Forderung nach Parität bei den politischen Mandaten zu einer Änderung der französischen Verfassung führte. In den weiterhin angeschnittenen Themen geht es unter anderem um das Gewicht der verschiedenen feministischen Strömungen und die Wechselwirkungen mit dem US-amerikanischen Feminismus.


RESÜMEE: IRENE SELLE, VERÖFFENTLICHUNG UND REZEPTION DES ANDEREN GESCHLECHTS IN DER DDR – EIN ERFAHRUNGSBERICHT, erhellt eine in Ost und West weitgehend verborgene Geschichte des Werkes, an der die Autorin selbst auf wissenschaftlichem Gebiet, als Verlagsgutachterin und durch Vortragstätigkeit in Nischen der DDR-Gesellschaft mitwirkte. Das Buch wurde in der DDR auf Grund offiziell herrschender Vorurteile anti-existentialistischer und anti-feministischer Art erst in der Endphase des Staates veröffentlicht und zu diesem Zeitpunkt kaum noch wahrgenommen. Dennoch wurde es dank zirkulierender Westexemplare bereits vorher rezipiert. So konnte es in verschiedenen DDR-kritischen Kreisen, oftmals unter dem Dach der Evangelischen Kirche, seinen emanzipatorischen Gehalt entfalten.


RESÜMEE: RITA SÜSSMUTH, DIE BEDEUTUNG SIMONE DE BEAUVOIRS FÜR DIE FRAUENPOLITIK, nimmt zu dem Stellung, was Simone de Beauvoir für sie persönlich bedeutet (die Romanistin und Pädagogikprofessorin war von 1985 bis 1988 Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit, bevor sie 1988 Präsidentin des Deutschen Bundestages wurde), und was sie für die Politik der Christlich-Demokratischen Union trotz aller Widerstände bedeutet hat. Sie schließt mit einer engagierten feministischen Standortbestimmung. Der Text geht auf einen Vortrag zurück, den die Politikerin am 13. November 1999 in französischer Sprache auf dem internationalen Kolloquium Pour une édition critique du «Deuxième sexe» an der Katholischen Universität Eichstätt gehalten hat.


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Letzte Änderung: 26.11.2016 10:12:00

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