Hans-Georg Möller (Hrsg.)
Chinesische Zeichenkonzeptionen


ZfS, Band 22 Heft 2/2000
EUR 17,50
ISBN 3-86057-945-2


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Aus dem Inhalt:

  • Hans-Georg Möller: Einleitung (Zusammenfassung)
  • Hans-Georg Möller: Verführte Vögel, verschwundene Maler und vernichtetes Fett: Über Kunstlegenden und Zeichenparadigmen in China und Europa (Zusammenfassung)
  • Rolf Trauzettel: Der Schatten in chinesischer Kunst, Literatur und Philosophie: Leeres Zeichen und Zeichen der Leere (Zusammenfassung)
  • Michael Lackner: Was Millionen Wörter nicht sagen können: Diagramme zur Visualisierung klassischer Texte im China des 13. und 14. Jahrhunderts (Zusammenfassung)
  • Literaturbericht
    You-Zheng Li: Semiotik im China des 20. Jahrhunderts (Zusammenfassung)
  • Einlage
    Jari Grosse-Ruyken: Werbung in China (Zusammenfassung)


Zusammenfassung: HANS-GEORG MÖLLER (Universität Bonn), EINLEITUNG: CHINESISCHE ZEICHENKONZEPTIONEN.
Die Sinologie als Wissenschaft ohne spezifische Methodik ist auf die Methoden anderer Disziplinen angewiesen. Gerade die Semiotik kommt der Sinologie entgegen, weil sie für viele verschiedene kulturelle und soziale Themenbereiche offen ist. Außerdem ermöglicht es ihr theoretisches Abstraktionsniveau, über herkömmliche dokumentarische und deskriptive Darstellungsformen hinauszukommen. Umgekehrt kann China als ausgeprägte „Zeichenkultur" und als Land mit einer neu entstehenden, eigenständigen Semiotik für die „westliche" Semiotik ein interessantes Forschungsfeld bieten. Eine auf China bezogene Kultur-Semiotik kann in Anlehnung an einen Forschungsansatz von Niklas Luhmann Zusammenhänge zwischen Zeichen- und Sozialstrukturen aufdecken. Spezifisch chinesische Zeichenkonzeptionen sprechen dem leeren Zeichen einen besonderen Rang zu, konstruieren eine Semiotik der Präsenz und fassen bestimmte Zeichen als „Offenbarungen" auf. Spezifische Semantiken in China verstehen die Kunst weniger vom Werk als vom Vollzug her und nehmen den Schatten weniger als Schlagschatten und mehr als Schattenseite im Gegensatz zur Sonnenseite wahr.


Zusammenfassung: HANS-GEORG MÖLLER (Universität Bonn), Verführte Vögel, verschwundene Maler und vernichtetes Fett: Über Kunstlegenden und Zeichenparadigmen in China und Europa.
Durch die Analyse dreier Legenden über Kunstwerke – einer aus dem alten China, einer aus dem alten und einer aus dem gegenwärtigen Europa – sollen Leitvorstellungen über Zeichen in verschiedenen Kulturen miteinander verglichen werden. Dabei werden die komplexen Erzählungen jeweils auf einfache semiotische Strukturen reduziert. Die erste Struktur, die im alten China präsent war, wird als Struktur der Präsenz bezeichnet, da sie auf der gleichwertigen Präsenz von Signifikant und Signifikat beruht. Die für das alte Europa wichtige Struktur der Repräsentation beruht demgegenüber auf einem Bruch zwischen dem präsenten Signifikat und dem es „nur" repräsentierenden Signifikanten. Eine dritte Struktur schließlich, die in der gegenwärtigen „postmodernen" Zeit offenbar populär ist, siedelt sowohl Signifikat als auch Signifikant jenseits jeder Präsenz an. Sie kann als Schema der Signifikanz bezeichnet werden. 


Zusammenfassung: ROLF TRAUZETTEL (Universität Bonn), Der Schatten in chinesischer Kunst, Literatur und Philosophie: Leeres Zeichen und Zeichen der Leere.
Dieser Essay geht aus von der verblüffenden Tatsache, dass in der traditionellen chinesischen Malerei – abgesehen von einer bekannten Ausnahme – nie der Schlagschatten dargestellt worden ist. Im ersten Teil wird dafür eine Erklärung versucht. Anschließend wird gezeigt, dass das Phänomen des Schattens in der Differenz von Schlagschatten und schattigem Ort in der Literatur und Philosophie einen hohen Symbolwert gewonnen hat: als leeres Zeichen und als Zeichen der Leere. 


Zusammenfassung: MICHAEL LACKNER (Universität Göttingen), Was Millionen Wörter nicht sagen können: Diagramme zur Visualisierung klassischer Texte im China des 13. bis 14. Jahrhunderts.
Der Aufsatz befasst sich mit einer speziellen Sorte von Diagrammen, die zwischen dem Ende der Südlichen Song-Zeit und dem Beginn der Yuan-Zeit unter anderem in der Schule von Jinhua praktiziert wurden. Diese Form der nichtlinearen Analyse von Texten des chinesischen Kanons vereint häufig semantische und syntaktische Aspekte der Deutung. Mögliche Vorbilder der Diagramme werden vorgestellt und Beispiele für die vielfältigen Vorteile diagrammatischer Textanalyse werden gegeben. Abschließend folgen einige Bemerkungen über Diagramme zu Texten in komparatistischer Perspektive. 


Zusammenfassung: YOU-ZHENG LI (Chinesische Akademie für Gesellschaftswissenschaften, Beijing), Semiotik im China des 20. Jahrhunderts.
Seit etwa zwei Jahrzehnten entsteht in China eine moderne Semiotik. Dabei kommt der Film-Semiotik eine Vorreiter-Rolle zu. Die Einführung der Semiotik in China hatte einen paradigmatischen Charakter, denn sie zog einen Wandel zum Pluralismus in der kultur- und gesellschaftswissenschaftlichen Methodik nach sich. Die Semiotik in China ist auf die Rezeption westlicher semiotischer Theorien gegründet, aber man versucht mehr und mehr, diese Theorien mit der Analyse der eigenen Tradition zu verbinden, so dass eine eigenständige chinesische Semiotik entwickelt werden kann. Im Sinne einer Förderung der Kulturwissenschaften sowie einer Internationalisierung der Semiotik ist ein erweiterter Austausch zwischen chinesischer und westlicher – und gerade auch deutscher – Semiotik wünschenswert. 


Zusammenfassung: JARI GROSSE-RUYKEN (Universität Bonn), >Werbung in China.
Dieser Beitrag analysiert Anzeigen aus chinesischen Zeitungen hinsichtlich der in ihnen verwendeten Kodes. Anhand von Beispielen wird gezeigt, dass auch in der chinesischen Werbung eine Abwendung von westlichen Vorbildern stattfindet. Der entstehende Leerraum wird gefüllt durch nicht sehr konkrete Vorstellungen von nationaler Größe und chinesischer Tradition. Dies geschieht jedoch nicht mit großer Konsequenz, und diesem Zwiespalt gilt besondere Aufmerksamkeit. 


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