Eva Hausbacher
Poetik der Migration
Transnationale Schreibweisen in der zeitgenössischen russischen Literatur

Band 25, 2009, 315 Seiten
EUR 49,90
ISBN 978-3-86057-053-1
Reihe: Stauffenburg Discussion


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Welche Rolle spielt Literatur im Prozess der durch Globalisierung und Migration eintretenden kulturellen Veränderungen? Sollte sie nicht in diesen gesellschaftlichen und kulturellen Übergangsprozessen einen prominenteren Platz einnehmen als bisher?

POETIK DER MIGRATION verortet die transnationale Migrationsliteratur, die innerhalb nationaler Literaturen keinen Platz findet, sondern an deren Rändern, in Kontakt- und Überlappungszonen agiert, neu. Diese neue Verortung geschieht einerseits in Abgrenzung zur traditionellen Emigrationsliteratur, die noch weitgehend einem nostalgischen Opferdiskurs verhaftet ist, andererseits zur sogenannten Migranten-, Gastarbeiter- oder Ausländerliteratur, die entweder unter dem Schlagwort der Betroffenheit oder der Kulturenvermittlung rezipiert wird, der aber Elemente der transkulturellen Hybridisierung fehlen.

An Beispielen aus der Prosa und Essayistik zeitgenössischer Autorinnen und Autoren russischer Herkunft, die in einer Migrationssituation leben (Marina Palej, Marija Rybakova, Julia Kissina, Vladimir Kaminer, Irina Aristarchova, Michail Siskin), wird gezeigt, dass die transkulturelle Konstellation nicht nur Gegenstand der Texte ist, sondern auch deren Ästhetik wesentlich prägt. Dabei wird der Zusammenhang von Erzählstrukturen und Identitätsmustern und deren Durchbrechung bei hybriden Identitätsvorstellungen zum Ausgangspunkt der POETIK DER MIGRATION. Gegenüber der bisherigen Literaturforschung, die diese transnationalen Schreibweisen meist in metaphorischen Konzeptionen fasst, werden sie hier in konkreten literarischen Formen von Multiperspektivität, Duplizität von Raum und Zeit, Verfremdungsstrategien wie Mimikry, Ironie und grotesker Parodie oder ambivalenten rhetorischen Figuren und Mischgattungen aufgesucht. Die POETIK DER MIGRATION weist damit den Weg zu einer Ästhetik eines immer bedeutsameren Zweigs zeitgenössischer Literaturen.

Über die Autorin:
Eva Hausbacher ist Dozentin für Slawistik (Literatur-und Kulturwissenschaft) am Fachbereich für Slawistik der Universität Salzburg. Ihre Dissertation widmete sich der frühfuturistischen russischen Dichtermalerin Elena Guro auf der methodologischen Basis der feministischen Literaturwissenschaft und der Gender Studies. Zu ihren neueren Forschungsschwerpunkten zählen Fragen der Inter- und Transkulturalität, Postcolonial Studies und postsowjetische Literatur.

Rezension:
"Zumal Eva Hausbacher ihre Filiation aber so versteht, dass sie nicht allein relevante theoretische Diskussionen um Migrationsforschung, Raum, Gendertheorie, Postkolonialismus kritisch erörtert, sondern darüber hinaus auch Ergebnisse von anglistischen, germanistischen und romanistischen Arbeiten zu Migrationsliteratur vergleichend berücksichtigt, ist ihre Studie im besten Sinn transdisziplinär. Für die literatur- und kulturwissenschaftliche Slawistik liegt somit eine „deterritorialisierende“ Arbeit vor, die für Forschung wie für Lehre wichtige Grundlagen zur Analyse sehr aktueller Phänomene liefert."
Peter Deutschmann, in: Anzeiger für Slavische Philologie (XXXVII) 2009.


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Letzte Änderung: 26.11.2016 10:12:00

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